Daily Drawdown vs Max Drawdown bei Prop-Firms – Teure Fehler vermeiden 2026
Viele Trader verlieren ihren funded Account nicht durch schlechte Strategie, sondern weil sie Daily und Max Drawdown durcheinanderwerfen. Hier steht, was wirklich gilt – mit konkreten Zahlenbeispielen.
Warum so viele Accounts an den Drawdown-Regeln scheitern
Hast du dir schon mal das Konto aus dem Grund geblasen, den du nicht erwartet hast? Nicht wegen einer katastrophalen Position – sondern weil du morgens aufgestanden bist, zwei schlechte Trades gemacht hast, und der Account plötzlich gesperrt war? Willkommen im Club. Der Daily Drawdown ist die häufigste Ursache für unerwartete Account-Sperren, und das liegt schlicht daran, dass die meisten Trader ihn falsch verstehen. Hier räumen wir mit den Missverständnissen auf.
Max Drawdown: die einfachere Regel
Der Max Drawdown ist das Gesamtlimit für den maximalen Verlust – entweder vom Startkapital (statisch) oder vom jemals erreichten Höchststand (trailing). Bei den meisten Prop-Firms liegt er zwischen 8 % und 12 %.
Beispiel: Du hast ein $10k-Konto mit 10 % Max Drawdown. Dein Mindestsaldo beträgt $9.000. Fällt der Kontostand auf $8.999, ist der Account gesperrt. So weit, so klar.
Daily Drawdown: die häufig unterschätzte Regel
Der Daily Drawdown ist eine tägliche Verlustgrenze, die unabhängig vom Max Drawdown gilt und täglich zurückgesetzt wird. Typischer Wert: 5 % – aber wovon berechnet wird, ist der entscheidende Punkt:
- Vom Startkapital (statisch): Bei $10k und 5 % Daily darfst du jeden Tag maximal $500 verlieren – konstant, egal ob du vorher Gewinne gemacht hast. Das ist kalkulierbar.
- Vom Kontostand zu Tagesbeginn: Wenn du gestern $11.000 hattest, liegt dein Tageslimit heute bei $550. Läuft gut – bis es wieder schlechter läuft.
- Trailing Daily Drawdown: Das Limit folgt dem intraday-Höchststand. Du eröffnest mit $10.000, der Account steigt auf $10.200, und schon sinkt dein erlaubtes Tagesminimum auf $9.690. Geht der Kurs danach zurück, kannst du gesperrt werden – obwohl du den Tag im Plus begonnen hast.
Ein konkretes Rechenbeispiel, das wehtut
Du handelst einen $25k-Account bei FTMO mit 5 % Daily Drawdown. Das Limit liegt bei $1.250 pro Tag. Morgens läuft es gut: +$800 Profit. Nachmittags drehen die Märkte. Du liegst bei −$600 vom Tageshoch – und plötzlich merkst du, dass FTMO den Daily Drawdown vom Equity-Hochpunkt des Tages zieht, nicht vom Tageseröffnungsstand. Aus deinen scheinbar sicheren $800 Puffer werden effektiv nur noch $450. Das reicht für einen unglücklichen Nachmittag nicht.
Genau das passiert Hunderten von Tradern täglich. Nicht Unwissenheit über Trading, sondern Unwissenheit über die genaue Berechnungsmethode ihrer Firma.
Statischer vs Trailing Max Drawdown – wo liegt der Unterschied?
Das Wort „Trailing” im Drawdown-Kontext hat zwei Bedeutungen:
Trailing Max Drawdown: Das Gesamtlimit folgt dem Kontostand nach oben. Bei $10k Startsaldo und 10 % Trailing Max Drawdown – und einem zwischenzeitlichen Hochstand von $12.000 – liegt das Mindestsaldo jetzt bei $10.800. Diese Regel ist bei Futures-Prop-Firms wie Topstep oder Apex Trader Funding Standard und deutlich schwerer zu managen als statische Limits.
Statischer Max Drawdown: Das Mindestsaldo wird einmalig vom Startsaldo berechnet und bewegt sich nie. Firmen wie FundingPips oder E8 Markets nutzen dieses Modell – und genau deshalb sind sie für Einsteiger attraktiver. Dein Risiko ist klar, dein Ziel bleibt stabil.
Wer nutzt welches Modell?
Kurze Orientierung für die wichtigsten Anbieter:
- FTMO: 5 % Daily (vom Equity-Hochpunkt des Tages), 10 % Max (statisch vom Startsaldo) – klar und beliebt.
- FundingPips: 5 % Daily, 10 % Max – beides statisch. Sehr trader-freundlich.
- Topstep: Trailing Max Drawdown, kein separates Daily-Limit – spezifisch für Futures-Trader.
- The5%ers: Kein Daily Drawdown, nur ein Gesamtlimit – macht das Risiko-Management einfacher.
- Maven Trading: 5 % Daily Drawdown, 8 % Max – dafür die günstigsten Fees der Branche. Den direkten Vergleich Maven vs FTMO lohnt es, vorher zu lesen.
Drei Tipps, die deinen Account retten können
1. Lies die Rules-Seite, nicht die Landing Page. Die Marketingseite sagt „5 % Daily Drawdown”. Die Rules-Seite sagt, ob das vom Tageseröffnungsstand, Startsaldo oder intraday Hochpunkt berechnet wird. Das ist ein riesiger Unterschied.
2. Setze dir ein eigenes Tageslimit, das bei der Hälfte liegt. Wenn die Firma 5 % erlaubt, höre bei −2,5 % auf. Du brauchst keinen Puffer für schlechte Tage – du bist der Puffer. Wer konsequent aufhört, verliert nie einen Account ans Daily-Limit.
3. Schau auf die Equity, nicht auf den Balance. Wenn offene Positionen im Minus sind, zieht das Daily-Limit auf das Float-Tief. Ein Account mit −$400 offener Position und −$300 realisierten Verlust hat effektiv −$700 verbrannt – nicht −$300. Rechne immer mit der Equity, nicht dem Cash-Balance.
Fazit: Drawdown verstehen ist kein Nice-to-have
Die Drawdown-Regeln sind nicht der fiese Teil der Prop-Firm-Welt. Sie sind der Kern des Geschäftsmodells: Die Firma gibt dir Kapital und begrenzt ihr Risiko durch klare Limits. Wer diese Limits präzise versteht, kann Positionsgrößen und Tagesplanung exakt darauf abstimmen. Wer sie nicht versteht, verliert früher oder später einen Account an einem Tag, der eigentlich nicht katastrophal war.
Den vollständigen Firmenvergleich mit allen Drawdown-Details findest du in unserer Prop-Firm-Übersicht. Für Anfänger empfehlen wir zusätzlich unseren Ratgeber zu den 5 häufigsten Challenge-Fehlern und die Erklärung zum Thema 1-Step vs 2-Step Challenge.